Die Probleme des Ablegens und Findens
Donnerstag, April 23, 2015
Seit die Menschheit der Schriftsprache mächtig wurde, war ihr immer daran gelegen, gesammeltes Wissen archivier- und recherchierbar zu machen. Betrachten wir nur einmal die Aufzeichnungen der frühen griechischen und ägyptischen Hochkultur; während große Teile dieser unersetzlichen Werke der Nachwelt erhalten blieben, fielen andere kostbare Schätze unrettbar dem Flammenmeer oder anderen Widrigkeiten zum Opfer.
Nichtsdestotrotz entstanden im Laufe der Zeit prächtige Bibliotheken, in denen das gesammelte Wissen ganzer Generationen und Kulturen konserviert liegt. Unsere Ahnen waren uns allerdings in einem Punkt überlegen (na ja, vielleicht auch jene beneidenswerten Mitarbeiter der berüchtigten Whisky-Destillerie aus Lynchburg, Tennessee ;-) ): Sie hatten ausgesprochen viel Zeit zur Verfügung, ihre Archivierungs- und Recherchemethoden auszufeilen!
Doch im Zusammenhang mit dem Internet musste man die Begriffe „Zeit“ und „Ordnung“ neu definieren – wenigstens relativieren. Informationen sind nur dann von reellem Wert, wenn sie in kurzer Zeit wieder auffindbar sind; auffindbar ist wiederum nur, was entsprechenden Grundsätzen folgend archiviert und abgelegt wurde. Mit dem WWW steht nun erstmalig in der Menschheitsgeschichte ein Medium zur Verfügung, über das sich prinzipiell jedermann frei von gesellschaftlicher Stellung und Bildungshorizont äußern kann. Ein gewaltiger Bestand menschlichen Wissens, der vermutlich schon bald über das hinausgeht, was alle vergangenen Generationen an Aufgezeichnetem produziert und angehäuft haben. Millionen von Dokumenten gelangten binnen weniger Jahre in ein globales elektronisches Netzwerk, in dem allerdings für das menschliche Empfinden jegliche Informationen unstrukturiert und keinem festen Schema folgend vorliegen. Angesichts dieses Problems sind völlig neue Methoden des Suchens und Findens im Internet entwickelt worden, die uns helfen, dem drohenden „Informations-Overflow“ Herr zu werden.
Vielleicht können wir Ihnen anhand eines Beispiels verdeutlichen, welches Ausmaß an Informationen und Daten das Internet bereithält: Angenommen, Sie planen nur jede einzelne Startseite von 100 Millionen Websites für ca. 5 Sekunden zu betrachten. In der Annahme, dass wir Wartezeiten für den Seitenaufbau vernachlässigen, auf körperliche Bedürfnisse, wie Schlafen und andere Verrichtungen verzichten, würden wir damit über 13 Jahre beschäftigt sein! Sie sind somit nur schwerlich in der Lage, den gesamten Datenbestand im Web in Augenschein nehmen zu können.
Wie aber stoßen Sie nun im Internet auf jene hochinteressanten Informationen und Daten, die für Sie tatsächlich von Wert sein könnten? Wie vermeiden Sie es zukünftig auf zwielichtigen Seiten zu landen, die nicht gesehen zu haben keinen größeren Verlust darstellen? – Sollte man das Internet zentralisieren, zensieren, einer übergeordneten Kontrollinstanz unterziehen? Mitnichten! Dies würde dem Prinzip und Leitgedanken dieses Mediums völlig widersprechen.
Zum Glück gibt es eine Fülle lohnender Anlaufstellen im Internet, die es dem Recherchierenden ermöglichen, sich planvoll systematisch auf die „Informationsjagd“ vorzubereiten. Nun sollte man annehmen, dass dem Großteil aller Anwender einschlägige Suchdienste, Kataloge und Linklisten bekannt sein dürften. Doch allein mit der Kenntnis um die Existenz dieser Quellen stellt sich leider noch lange nicht der erhoffte Recherche- oder Sucherfolg ein. Wie oft wird man das Gefühl nicht los, sich während der Suche nach der berühmten „Nadel im Heuhaufen“ im gesamten Rauhfuttervorrat Oberbayerns verirrt zu haben 1. Nur zu oft liefern diese Instrumente mehr Treffer auf eine Suchanfrage zurück, als dass man diese ohne stundenlanges Aussortieren von der Spreu trennen könnte. Ein Zuviel an Informationen ist so gut oder schlecht wie gar keine darüber hinaus zeitintensiv und nervenaufreibend. Versteht man es hingegen mit den zur Verfügung stehenden Mitteln und Ressourcen umzugehen, ist es bisweilen nur eine Frage von Minuten, bis man im Web an das Ziel seiner Wünsche gelangt.
Es steht inzwischen außer Frage: In jeder Firma, gleich ob Kleinbetrieb oder Großkonzern, wird das Internet respektive das WWW in Zukunft auch eine maßgebliche Rolle in der Informationsbeschaffung und Marktbeobachtung einnehmen (müssen). Fraglich bleibt jedoch, ob die betroffenen Mitarbeiter mit ihren Nachforschungen effektive und qualitative Ergebnisse zutage fördern, wenn sie nicht mit den nötigen Fertigkeiten der Internet-Recherche vertraut sind. Wenn sich der Beauftragte endlos im Netz verirrt und außer teurer Arbeitszeit keine produktiven Ergebnisse liefert, ist dem Betroffenen als auch dem Arbeitgeber damit sicherlich nicht gedient.
Mit der Kenntnis um den richtigen Umgang mit den verschiedenen Informationsquellen, der gewandten und bedachten Einflussnahme auf die Suchsyntax, steigt auch die Qualität der gelieferten Ergebnisrückgabe. Entwickelt man auch noch das nötige Gefühl für den Wert und die Authentizität einer ergatterten Information, wird man rasch gewichtige Quellen von unrelevanten trennen können. Lassen Sie uns mit Hilfe der folgenden Kapitel in die Materie und Methodik der Internet-Recherche eintauchen, die sowohl für Ihre künftige Tätigkeit als auch für die Belange dieses Lehrgangs von großem Nutzen sein wird.